Wer kauft wie im Zeitalter der Digitalisierung?

Shopping via Handy

Nehmen wir mal an, die Digitalisierung bzw. das Internet bestimmt, was wir als nächstes kaufen und wir uns so lange Nachmittage in Einkaufszentren ersparen können. Würden Sie das wollen?

Wir sind zumindest auf dem besten Weg dorthin, denn alles, was wir benötigen, bekommen wir auch über das Internet. Wir müssen nie mehr in die Stadt, sondern kaufen ALLES per Mausklick. Wenn Sie sich dieses Szenario vorstellen können, sind Sie angekommen. Angekommen in der Handelswelt der Zukunft.

Zukunftsszenarien des elektronischen Handels

Gerade zur Weihnachtszeit boomt der Handel und der Run auf die einzelnen Kaufhäuser ist gleichzeitig riesig. Vier verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten hat die Deutsche Post skizziert: das “Global E-Tailing 2025” zeigt, wie wir leben und wie wir einkaufen im Jahr 2025.

Welche neuen Entwicklungen und Fortschritte sich zukünftig ergeben werden, zeigen wir Ihnen aber erstmal hier.

Markt der Zukunft

Viele Marktführer haben verstanden, dass die Trennung von E-Commerce und dem Offline-Handel nicht mehr zeitgemäß ist und man somit schnell abgehängt wird. Auch Stefan Zoll, Vize-Präsident von Ebay Deutschland verfolgt das Ziel, zu jeder Zeit Internetpräsenz zu zeigen und sich stetig weiter zu entwickeln. Das Angebot, auf vielen Einkaufskanälen die eigenen Produkte zu vermarkten, ist mittlerweile ein Muss. Egal, ob auf der eigenen Website, über Marktplätze, als App oder auch im Einzelhandel. Stefan Zoll sieht die Vorbereitung als wichtiges Überlebenselexier von den verschiedenen Händlern.

“Das Produktangebot der Unternehmen, die Nachfrage des Konsumenten und die Zustellung der Logistiker werden sich künftig auf so dramatische Weise ändern, dass nur diejenigen auf dem Markt bleiben, die sich auf die neuartigen Rahmenbedingungen vorbereitet haben.”

Auch die Unternehmensberatung McKinsey ist der Meinung, dass das E-Business und gleichzeitig auch der Handel bis 2020 um einiges wachsen werden.

Der Handel der Zukunft sagt voraus, dass Kunden ihre Ware noch am selben Tag der Bestellung erhalten und das auch bei Online-Bestellungen. Das Ganze nennt sich “Same-Day-Delivery-Standard” – eine sogenannte Garantie dafür, dass Kunden ihre Waren noch am selben Tag bis vor die Haustür geliefert bekommen. Teilweise gibt es diese Art von Lieferung sogar schon. Würde das in nächster Zeit so kommen, wie die Deutsche Post sich das vorgestellt hat, revolutioniert sich die komplette Handelsbranche auf einen Schlag.

“Wenn der Nachteil der Lieferzeit wegfällt, kann Online-Shopping seine Stärken in Form von größerer Auswahl und oft niedrigeren Preisen perfekt ausspielen”, betont McKinsey-Experte Jan Krause.

Was passiert mit den Einzelhändlern?

Auch der Einzelhandel verändert sich. Zukünftig arbeitet der Einzelhandel fest mit der Logistik zusammen. Verbraucher können sich die Ware vorher anschauen, entscheiden, was ihnen gefällt und nur die Adresse hinterlassen – um alles andere kümmert sich der Zulieferer. Die Zustellung erfolgt binnen 90 Minuten. Der Handel der Zukunft ist also auf eine sofortige Bedürfnisbefriedigung ausgelegt. Auch der Marktführer Amazon bietet den sogenannten “Evening Express” an. Wenn Sie morgens früh genug bestellen, können Sie Ihre Ware gegen Abend erwarten.

Auch die Elektronikriesen Media Markt und Saturn bieten dieses Szenario seit Mitte Mai in sieben Städten an – mit Erfolg! Die Lieferung innerhalb von drei Stunden wird gut angenommen. Ebenfalls angeboten wird dieses Handelsprozedere bei MyWays. Hier kommen Empfänger und private Lieferer zusammen, gleichzeitig legen beide ihre Bedingungen bezüglich der Zeit, des Orts und des Entgelts fest. So hat der Verbraucher die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wann er die Ware geliefert haben möchte.

Einen Schritt voraus

In Belgien, Frankreich, den Niederlanden und den USA ist das System schon fortgeschrittener. Hier sind die Briefkästen mit standardmäßigen Paketkästen oder Packstationen ausgestattet. Der Zusteller kann so einen Magnet-Schlüssel in den jeweiligen Briefkästen hinterlassen. Der Adressat öffnet das Fach der Packstation und kann dann seine Ware in Empfang nehmen. Die Gefahr, dass jemand anderes den Briefkasten öffnet, ist durch den Magnet-Schlüssel quasi unmöglich.

Auch die Deutsche Post hat sich in der Hinsicht weiterentwickelt und einen noch direkteren Weg praktiziert – zunächst nur als Testversion. Ende 2016 übte der Päckchen- und Briefzusteller eine Lieferung per Drohnen-Einsatz, den “DHL-Paketkopter”. Was momentan noch als absurde Idee abgestempelt wird, könnte sich in Zukunft allerdings sehr wohl als zukunftssicher herausstellen. Die Deutsche Post steht mit dieser Idee nicht alleine da, denn auch der Zulieferer UPS und Amazon zeigen sich interessiert. Amazon hat angekündigt, irgendwann Päckchen per Mini-Drohnen zu versenden.

Das Kaufverhalten der Verbraucher vorhersehen

Die zukünftigen Pläne, klingen für viele zu Science-Fiction orientiert. Dennoch ist diese Vorstellung noch nie so nah und denkbar, wie in der heutigen digitalen Zeit. Umgeben in einer Welt von Robotern und den elektronisch auffüllbaren Kühlschränken. Um Produktwünsche der Kunden vorherzusehen, erhoffen sich Händler die Hilfe der künstlichen Intelligenz und Avataren.

Avatare sind künstliche Personen oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in einer virtuellen Welt. Wie beispielsweise in einem Computerspiel. In unserer Handelswelt sollen sie als Kaufberater für die Konsumenten dienen. So würde nicht der Kunde entscheiden, sondern von dem Avatar durch das Sortiment geführt werden. Für Online-Händler liegt somit ein ganz klarer Vorteil auf der Hand – sie können personalisierte Verbraucherprofile erstellen und wissen so in Echtzeit, was der Kunde möchte.

Auch dieser Trend, ist schon online. Die Otto-Group geht mit dem Projekt “Collins” an den Start und zeigt bereits jetzt, wo es hingehen soll.

“Wenn wir unsere Hausaufgaben richtig machen, wird der Shop perspektivisch so aussehen, wie es der Kunde gerne hätte”, sagte Collins-Mitgründer Tarek Müller kürzlich.

Zusätzlich können Händler und Unternehmen aufgrund der Informationen von Kunden auch passende Werbebotschaften produzieren. Das Abbild des Kunden wählt interessante Angebote aus – was für ein Service, oder?

Für viele erscheint der ein oder andere Trend gruselig und unheimlich, dennoch müssen wir uns alle darauf einstellen, dass in den nächsten Jahren viel passieren wird, da die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist. Willkommen in der digitalen Welt!

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