E-Commerce als Ausbildungsberuf

E-Commerce Ausbildung

Der elektronische Handel schreibt Zahlen wie lange nicht mehr. Man könnte beinahe sagen, dass der Online-Handel boomt. Der Wandel hat uns in seinen Bann gezogen. Da liegt es doch nahe, dass sich auch unsere Ausbildungs- und Berufswelt den neuen Gegebenheiten anpasst.

Anstatt der üblichen Berufe wie Industriekauffrau/-mann oder Kauffrau/-mann für Büromanagement gibt es nun einen neuen Ausbildungszweig: Kauffrau/-mann im E-Commerce.

E-Commerce Kaufleute

Bis jetzt sieht die Ausbildungsordnung von Groß- und Einzelhandelskaufleuten das Einkaufen in der Online-Welt nicht als Sparte der Ausbildung an – bis jetzt! Es ist ein gigantischer Markt mit vielen Chancen und Technologien. Allein der deutsche Einzelhandel wuchs um 5,4 Prozent. Auch die Weihnachtszeit trug einen großen Bestandteil dazu bei. Die Kunden waren kaum zu stoppen und die Finger am glühen. Weitere Ziele des E-Commerce sind zum Beispiel die Echtzeit-Lieferung der einzelnen Waren – heute bestellt und auch noch am gleichen Tag geliefert!

Mittlerweile sind es nicht nur Kleinigkeiten, die die Kunden kaufen, sondern auch Matratzen, Möbel oder Spielzeug. Auch Lebensmittelbestellungen sind weiterhin im Trend. Der digitale Wandel beeinträchtigt den Online-Handel wie keine andere Branche, zugleich stehen die einzelnen Unternehmen sowie die Mitarbeiter unter Druck. Der Trend geht zum Multichannel-Handelsexperten – aber wer ist darauf eingestellt? Die Antwort lautet: die wenigsten!

E-Commerce Profil komplettiert Bildungsapparat

Wer das Thema E-Commerce drauf hat, hat es sich meistens selbst beigebracht. Für die Mitarbeiter in Unternehmen ist dieses Gefühl, nicht affin im Netz zu sein, sehr deprimierend, vor allem die ältere Generation hat Schwierigkeiten, sich in die neue digitale Welt einzufinden. Das wird sich nun ändern, denn ab diesem Jahr werden die Generationen fit gemacht. Egal, ob es Seminare, Veranstaltungen oder auch der neue Ausbildungsberuf Kauffrau/-mann für E-Commerce ist – jeder, der Interesse hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist jetzt gefragt.

Nicole Heinrich ist erleichtert. “Dieses Profil hat uns gefehlt”, sagt die Leiterin Ausbildung und Personalmarketing beim Hamburger Handelsriesen Otto Group. “Der deutsche Bildungsapparat ist bislang nicht darauf eingestellt, Talente für den seit Jahren sehr dynamisch wachsenden E-Commerce-Bereich vorzubereiten.”

Neue Türen im E-Commerce

Durch die neue Ausbildungssparte entsteht ein Meilenstein, der die Digitalisierung vorantreibt. Jugendliche werden somit schon früh mit dem Thema konfrontiert, damit sie sich später in die digitale Welt einfinden können. Bis jetzt helfen Quereinsteiger den Unternehmen, sich digital vorzubereiten. Das geht sicherlich für einige Zeit gut, aber nicht für immer. Durch den neuen Beruf kann man qualifizierter und systematischer an den Online-Handel herangehen – genau das fordern die Händler. Mitarbeiter bekommen mehr Sicherheit in diesem Bereich und werden so effizient für jedes Unternehmen.

Für die E-Commerce Kaufleute muss jedoch erst einmal ein Rahmenplan her, damit die zukünftigen Experten bestmöglich angelernt werden und fit für die Zukunft sind. Nicht zu vergessen, dass das E-Business keine einfach Ergänzung, sondern vielmehr eine besondere und einzigartige Form des Handels ist. Dazu gehören Tätigkeiten wie beispielsweise der Umgang mit In- und Auslandswaren und gleichzeitig auch der Wiederverkauf.

“Vielmehr ermöglicht das Internet als Kommunikations- und Transaktionsmedium völlig neue Geschäftsmodelle im Handel, löst Grenzen der tradierten Handelsstufen auf und verlangt daher andere Kompetenzen”, sagt Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des E-Commerce-Verbandes bveh.

Die genauen Aufgabengebiete werden momentan noch besprochen. Gleichzeitig zum Rahmenplan wird der Berufsschulunterricht geplant. Der erste Testlauf läuft ab diesem Sommer. Vor drei Jahren wurde diese Berufssparte das erste Mal angesprochen, nun ist es soweit und das Interesse ist groß.

Online-Affinität der Nachwuchskräfte ist Voraussetzung

 Die Verantwortlichen sind die einzelnen Unternehmen und Verbände mit denen der HDE das Projekt handfest gemacht hat.

“Das ist wahnsinnig schnell”, sagt HDE-Expertin Weinert.

Besonders von Vorteil ist die Ausbildung für Absolventen jeglicher Schulformen. Im Blick des HDE stehen allerdings eher die Realschüler und Gymnasiasten. Wichtig sind dem HDE gute Noten in den Fächern Englisch, Mathe und Deutsch. Aber wichtiger als die Noten sind vor allem die persönlichen Eigenschaften der Bewerber. Besonders Charaktereigenschaften wie beispielsweise Neugier, Eigeninitiative und Leidenschaften. Gewünscht sind Bewerber, die sich auch jetzt schon im E-Business auskennen, einen Blog schreiben oder in einer anderen Form online aktiv sind. Die Bewerbungsphase beginnt bei Otto schon im April – also auf die Plätze, fertig – bewerben!

Ein Vertragsabschluss kann allerdings erst stattfinden, sobald der gesamte Rahmenplan steht. In der ganzen Branche rechnet der HDE mit ungefähr 1.000 Stellen und 150 Unternehmen, die Interessen haben, diesen Beruf auszubilden. Schätzungsweise werden es aber mit der Zeit immer mehr. Es sind nicht nur Einzel- oder Großhändler, sondern auch Hotels, Gaststätten oder Industrieunternehmen mit einem eigenen Online-Shop, die Unterstützung suchen. Auch Banken, Zeitungsverlage oder Versicherungen zeigen großes Interesse an der neuen Ausbildung.

Welche Regionen kommen für E-Commerce in Frage?

Die Ausbildung wird bundesweit angeboten, die Vergütung richtet sich nach den anderen kaufmännischen Berufen. Welche Regionen sich besonders für den Beruf im E-Commerce eignen, wird sich in nächster Zeit herausstellen.

“Es wird sicherlich nicht in jeder kleinen und mittleren Stadt eine Fachklasse geben”, sagt Verbandsvertreterin Weinert.

Kriterien für solch eine Auswahl sind Städte mit einer hohen E-Business Dichte, wie beispielsweise Hamburg, Frankfurt, Berlin, München, Nürnberg oder auch Leipzig. Dass es zu wenig Bewerber geben wird, kommt nicht in Frage. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung darf man sich dann “Fachwirt für E-Commerce” nennen. Wir sind gespannt, was das neue Berufsfeld weiterhin bietet.

 

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