Dumpingpreise und Strafzölle – Was passiert in China?

Arbeitnehmer im Stahlwerk

Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass China mehr Stahl produziert, als für die Deckung des Eigenbedarfs nötig ist. Ist das der Grund für die vermeintlichen Dumpingpreise seitens des chinesischen Stahlmarkts?

Doch auch die Stahlpreise auf dem chinesischen Markt sind momentan relativ hoch und steigen nach wie vor. Sorgt das für einen positiven Effekt auf dem weltweiten Stahlmarkt?

Aufschwung auf weltweitem Stahlmarkt

Das beschriebene Verhalten der Preise ist unter anderem ein Einflussfaktor für den Aufschwung auf dem weltweiten Stahlmarkt. Dieser ist auch in Europa zu spüren und das obwohl chinesische Stahlimporte durch die Strafzölle immer mehr vom europäischen Markt ferngehalten werden. Der chinesische Markt könnte also nicht nur negativen Einfluss auf den Gesamtstahlmarkt haben.

Preiserhöhung für Stahl

Anfang diesen Jahres sind die Preise für Stahl auf dem chinesischen Markt zwar gesunken, doch diese stiegen entgegen der Erwartungen im Sommer kräftig an. So konnte man zwischen Mai und August eine Preissteigerung je Tonne von bis zu 100 US-Dollar verzeichnen. So wundert es nicht, dass die jeweiligen Stahlpreise auch im September immer noch auf einem Hoch stagnierten.

Dies führte wohl dazu, dass die Margen der Stahlerzeuger so hoch sind wie seit einigen Jahren nicht mehr. Auch die Rohstahlproduktion ist bis Juli um fünf Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahreswert. Dieser Anstieg hat zur Folge, dass auch die Produktion von Rohstahl ein Rekordniveau erreichen könnte, wenn dieser Trend sich fortsetzt. Auffällig hierbei ist, dass die Exporte im Vorjahresvergleich um 30 Prozent gesunken sind – dies entspricht 16 Millionen Tonnen.

Woher kommt die verstärkte Nachfrage nach Stahl?

Wie kann es nun sein, dass ein Markt, der sich hauptsächlich durch Überkapazitäten ausgezeichnet hat und für den eine gleichbleibende Nachfrage vorausgesagt war, nun so eine Entwicklung erlebt?

Im Voraus sei gesagt, dass sich mehrere Gründe identifizieren lassen. Einer der Hauptgründe dürfte der massive Einfluss der Kredit-, Geld-, und Konjunkturpolitik in China sein. Diese überraschten durch ein starkes Eingreifen, das in dieser Form wohl nur die Wenigsten erwartet haben. Die Konsequenz dieser Entwicklung ist eine verstärkte Nachfrage nach Stahl aus der Baubranche und dem Bereich der Infrastruktur. Auch die Investitionen in Anlagen sind um acht Prozent zum Vorjahr gestiegen. Somit wird die Nachfrage nach Stahl dieses Jahr wohl nicht durch das konsum- und dienstleistungsorientierte Wachstum geschmälert.

Ergänzend dazu hat die Regierung wirklich ernsthaft versucht, etwas gegen die Überkapazitäten zu unternehmen. Sie sorgte dafür, dass vor allem Hochöfen, die nur für die Herstellung einfacher Produkte verantwortlich waren, geschlossen wurden. Überwiegend durch diese Maßnahme wurde das Jahresziel für stillgelegte Kapazitäten schon zum Halbjahresende erreicht. Der Grund warum die Produktionszahlen trotzdem angestiegen sind, ist, dass die Stahlfirmen früher ihre Produkte sehr günstig produziert haben, allerdings heute nach Vorschrift produzieren sowie ihre Stahlprodukte mit teureren Preisen versehen.

Finanzmarkt und Schließungen beeinflussen Stahlmarkt

Die Ereignisse auf dem chinesischen Finanzmarkt verstärkten wahrscheinlich auch die Produktionszahlen. Denn der Finanzmarkt steht in starkem kausalen Zusammenhang zum chinesischen Stahlmarkt. Da sich der Finanzmarkt über eine gute Börsenstimmung freut, kann also auch der Stahlmarkt von weiterhin positiver Entwicklung ausgehen.

Dass die Stahlpreise steigen, liegt zuletzt auch daran, dass es immer wieder Spekulationen über die Einschränkung der Stahlproduktion durch z. B. Schließung der Werke gibt. Auch kamen in der Vergangenheit Vermutungen auf, dass neue Umweltschutzregelungen die Stahlproduktion einschränken könnten. Da es schwierig ist, genau vorherzusehen, was der Wahrheit entspricht und was eher unwahrscheinlich ist, beeinflussen beide Arten von Vermutungen den Markt und somit auch die Stahlpreise.

Prognosen für Stahlmarkt müssen überdacht werden

Nun sind die Firmen gezwungen, ihre Prognosen für den chinesischen Stahlmarkt noch einmal zu überdenken. Denn da die Exporte gesunken sind, die Produktion in China aber steigt, wäre die logische Schlussfolgerung, dass die Stahlnachfrage ebenso zunimmt. Die Zunahme kann man jedoch nur schätzen und so bleibt die Frage, ob sich die Stahlpreise auch weiterhin so halten.

Diese Frage stellen sich wohl auch die jeweiligen Unternehmen. So hat zum Beispiel ArcelorMittal die Zahlen, die die Nachfrage in China betreffen, nach oben angepasst. Nicht nur die Firmen haben ihre Nachfrageprognosen nochmals überdacht, sondern auch der chinesische Stahlverband verkündete, dass er weiterhin mit einer deutlichen Steigerung der Nachfrage in China rechnet.

Wenn der Stahlverband Recht behalten sollte, dann würde dies bedeuten, dass sich die Nachfrage nach Stahl auf der ganzen Welt im Gegensatz zum Anfang des Jahres angenommenen Wert vervierfachen würde. Für diese Annahme spricht der bisher zu beobachtende Preisanstieg.

Konsequenzen für den weltweiten Stahlmarkt

Die Wirkung dieser Ereignisse auf den chinesischen Markt hat auch für den restlichen Stahlmarkt Konsequenzen. Dadurch, dass auch die Exportpreise der Chinesen gestiegen sind, erhöhten sich auch die Stahlpreise anderer Länder wieder. Außerdem wird durch die gestiegenen Preise der Export für chinesische Firmen unattraktiver, da sie auch auf dem eigenen Markt zu guten Konditionen verkaufen können.

Das führt dazu, dass der europäische Markt nicht mehr stark von niedrigen Stahlpreisen von außerhalb unter Druck gesetzt wird und die Preise somit auch steigen. Es ist anzunehmen, dass sich dieser positive Trend weiter fortsetzt, da auch die chinesischen Importe von Rohstoffen auf eine weiterhin hohe Produktion schließen lassen.

Weltweit sieht es auch auf dem Markt für Schrott-Produkte rund um Stahl gut aus. Auch dort steigen die Preise und das liegt vor allem an türkischen Unternehmen, die wieder begonnen haben, mehr Schrott zu kaufen und zu verarbeiten.

Zusammenfassend können wir sagen, dass China nicht wie in der Vergangenheit dafür verantwortlich ist, dass die Stahlpreise gedrückt werden, sondern – ganz im Gegenteil – einer der Hauptfaktoren dafür ist, dass die Stahlpreise weiterhin dem steigenden Trend folgen. Wie genau sich der weltweite und der europäische Stahlmarkt in Zukunft entwickelt, ist unklar und sehr schwierig vorherzusagen, da es viele Einflussfaktoren gibt, die man nur schwer in ihrem Ausmaß und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit vorhersagen kann.

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