Die Fusion der Stahlsparten: Großes Thema bei der Bundestagswahl

Unternehmen ThyssenKrupp in Essen

Nach der Bundestagswahl ist vor der Bundestagswahl. Im Düsseldorfer Landtag wurde viel diskutiert, spekuliert und nach Lösungen gesucht. Der Grund ist die geplante Fusion der Stahlsparte von den Großkonzernen ThyssenKrupp und Tata Steel.

Die SPD sorgt sich um Arbeitsplätze. Im Gegensatz dazu stützt die Landesregierung den Konzern aus Essen. Es sind also deutliche Meinungsunterschiede in der Industriepolitik zu erkennen.

Klare Positionierung zur Stahl-Fusion

Grüne und SPD haben eine klare Meinung zur Fusion der Stahlsparte – sie wollen sich gegen eine Fusion mit Tata Steel einsetzen. Die Verhandlungen der beiden Konzerne gehen schon über zwei Jahre, immer wieder wird diskutiert, ob es Sinn macht, beide Stahlsparten in Europa zusammenzulegen. Nun könnte das letzte Wort bei der Bundestagswahl endgültig fallen. Grüne und SPD tragen Sorge, dass fusionierte Unternehmen Stahlwerke schließen könnten.

“Es geht um die Existenz Tausender Familien”, betonte Norbert Römer, der SPD-Fraktionsvorsitzende in Düsseldorf. “Die Regierung sollte Thyssen-Krupp dabei helfen, Alternativen zu einem Zusammenschluss mit Tata zu suchen.”

Die IG Metall hat zwei Tage vor der Bundestagswahl am 22. September gegen die Zusammenlegung demonstriert. Sie bekam am letzten Freitag auch Unterstützung aus der Politik. Bundesministerin Nahles (SPD) forderte vom Konzern die Vorlage von Zahlen und kritisierte die Geheimniskrämerei scharf. Konzernbetriebsratschef Willi Segerath kündigte bereits die Fortsetzung der Proteste an.

Ex-Chef der IG Metall Detlef Wetzel: “Die Verhandlungsposition von ThyssenKrupp verschlechtert sich von Tag zu Tag – was fällt dem Vorstand ein, die Weltöffentlichkeit so lange hinzuhalten?”

Sorge um Stahl-Standorte

Die Sorge ist groß, dass Jobs und Standorte in Gefahr sind. Allein in Nordrhein-Westfalen arbeiten 47.000 Menschen in der Stahlbranche. 20.000 von ihnen bei der Sparte von ThyssenKrupp. Außerdem sind auch Lieferanten und verwandte Branchen betroffen. Jetzt ist sogar schon die Verlegung des Unternehmenssitzes in die Niederlande geplant. ThyssenKrupp hatte letzte Woche Mittwoch bereits eine Absichtserklärung veröffentlicht, die besagt, dass bei beiden Unternehmen jeweils 2.000 Arbeitsstellen wegfallen sollen. Grund dafür seien laut ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger die großen Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt. Durch die sinkenden Stahlpreise und die hohen Schulden – weil sich der Dax-Konzern mit einem Stahlwerk in Brasilien verkalkuliert hatte – hat es die Stahlsparte momentan nicht leicht. Im Bezug auf Tata Steel fordern Arbeitnehmervertreter zunächst Klarheit bevor eine Entscheidung getroffen wird.

“Wir wollen wissen, was der Vorstand vorhat. Das werden wir bewerten und dann entscheiden”, so der Ex-IG-Metall Chef Detlef Wetzel. Man orientiere sich an der Zukunft der Beschäftigten bei ThyssenKrupp.

Stahl-Fusion als Chance erkennen

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart von der FDP konterte damit, dass die Landesregierung schon längst Gespräche mit der Konzernleitung und den Betriebsräten führen würde. Dennoch müssen Unternehmen sich mit sich selbst für oder gegen einen Zusammenschluss auseinandersetzen und demnach entscheiden.

Gleichzeitig gibt Andreas Pinkwart einen Warnruf ab. Bei der “Deutschen Stahl AG” würden die Kosteneinsparungen nur deutsche Standorte treffen. Die Zusammenlegung und sogenannte Fusion ist also eine Möglichkeit, die durchaus Früchte tragen könnte.

Und auch die CDU mischt mit. Sie signalisiert, dass sie zum Thema Stahl-Zusammenschluss offen ist.

“Wir sehen in der Fusion eine Chance, die Stahlsparte von ThyssenKrupp mittelfristig zu retten”, sagt die Abgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach.

Man könne allerdings nicht verhindern, dass Gemeinschaftsunternehmen an Kapazität abbauen würde. Durch die Fusion ist es möglich, dass dem Konzern neue Absatzmärkte und niedrige Kosten eröffnet werden.

Nationale Stahl-Lösungen?

Einer der größten Gegner ist Salzgitter. Chef des Konzerns Heinz Jörg Fuhrmann kommentierte, dass ihm bis jetzt kein funktionierendes Konzept vorliegen würde. Das gesamte Land Niedersachen hält an dem Konzern 26,5 Prozent der Anteile. Großkonzern ThyssenKrupp meldete sich bis jetzt nicht zu Wort.

Jürgen Großmann, Eigentümer der Georgsmarienhütte sprach davon, eine nationale Stahl-Lösung voranzutreiben. Großmann habe sogar beim Ministerpräsidenten Armin Laschet von der CDU vorgesprochen, dabei ging es allerdings um die Stahlindustrie und die Überkapazität und nicht um eine nationale Stahl-Lösung.

In den letzten Tagen kursierten demnach auch Meldungen, die besagten, dass es Überlegungen gibt zu einem Zusammenschluss der Stahlhersteller Salzgitter und Georgsmarienhütte. Dies ist nichts neues, da das Thema in der Branche seit den 80er Jahren immer wieder diskutiert wird – ohne Erfolg.

ThyssenKrupp auf Stimmenfang

ThyssenKrupp Chef Heinrich Hiesinger steht nun in der Verantwortung, die Stimmen seiner Mitarbeiter zu gewinnen, da er 2010 schon in einem Schreiben offenbarte: “Ich werde dafür sorgen, dass unsere Zusammenarbeit weltweit auf offener und ehrlicher Kommunikation sowie gegenseitigem Vertrauen basieren wird.”

Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter haben Sorge, dass der Vorstand einen großen Fehler machen könnte. Diese Sorgen sind nicht unberechtigt, da es vor einigen Jahren schon einmal Fehler gab. Dabei ging es um den Aufbau des amerikanischen Stahlgeschäfts. Pleiten, Pech und Pannen waren die Folge dieser Entscheidung. Diese Fehler kosteten das Unternehmen gerade einmal “schlappe” acht Millionen Euro.

Hiesinger richtete das Unternehmen in den letzten Jahren auf andere Bereiche aus. Aufzüge, Anlagen, Autoteile und U-Boote sind mittlerweile das alltägliche Geschäft des Stahlkonzerns. Dennoch bleiben die Sorgen des Preisdrucks oder der Überkapazität und der Billigimporte nicht aus, dies hat zur Folge, dass die Klimaschutzauflagen immer strenger werden und Unternehmen sich dem fügen müssen. Bezogen auf den Weltkonzern kontern Arbeitnehmervertreter bezüglich der Fusion mit einer Zerschlagung des Unternehmens.

Wir sind gespannt auf weitere Ereignisse und bleiben für Sie dran!

It's only fair to share...Share on Facebook
Facebook
0Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email
Print this page
Print