Die dunkle und verrauchte Seite der Stahlproduktion

Stahlwerk Ilva in Italien

Einigen bereitet es Freude und anderen wiederum Leid. Das Stahlwerk “Ilva” im süditalienischen Tarent. Der Stahlriese zählt zu den größten Stahlwerken Europas und ist mittlerweile nur noch ein Sanierungsfall.

Auf 15 Quadratkilometer ist das größte Stahlwerk Europas verteilt. Die Anlage ist so groß, dass unsereins sich gut verlaufen könnte. Im Vordergrund stehen übergroße Schornsteine – sie dominieren das Bild von Ilva. Obwohl das Werk für viele nur noch als Dreckschleuder gilt, soll es eine erfolgreiche Karriere nach sich ziehen.

Gewinn und Verlust der Stahlproduktion – plus, minus, null?

Ganz besonders dem Umweltschutz ist das Stahlwerk ein Dorn im Auge, obwohl sich mittlerweile einige Stahlriesen Gedanken um den Umweltschutz und somit um eine umweltfreundlichere Produktion machen, gibt es auch genügend Unternehmen, für die nur der Gewinn zählt – dass es allerdings auch ernsthafte und schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann, darüber denkt niemand nach. Wörter wie beispielsweise Umweltskandal oder auch Missmanagement sind keine Fremdbegriffe für das Stahlwerk in Tarent.

Auch wenn Ilva das größte Werk Europas ist, hat es gleichzeitig mehrere größere Baustellen. Eine davon sind die gestiegenen Stahlpreise im letzten Jahr. Obwohl ein Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar erzielt wurde, musste man auch einstecken können und zwar mit Einbußen von 240 Millionen Euro. Der Grund für diese kräftigen Einbußen ist der Betriebs-Cashflow. Der Cashflow gibt Aufschluss darüber, wie gut oder wie schlecht der Geldfluss in dem jeweiligen Unternehmen ist. Gleichzeitig ist er auch eine Messgröße aus der Betriebswirtschaft. Der Cashflow sagt aus, wie gesund das Unternehmen ist.

Stahlproduzenten buhlen um Ilva

Die Due Diligence ist quasi das Ausschussparlament. Sie bestimmen wer eine Runde weiterkommt. Obwohl das Stahlwerk renovierungsbedürftig ist, ist es sehr begehrt bei den verschiedenen Bietern. Man könnte sogar sagen, dass sie um das Werk buhlen. Darunter sind Riesen wie der südkoreanische Konzern Posco oder die Schweizer Gruppe Trasteel oder auch ArcelorMittal. Obwohl das Werk so marode ist, scheint es bei Konzernen auf der ganzen Welt beliebt zu sein. Die Chancen stehen beispielsweise sehr gut für den norditalienischen Stahlkonzern Arvedi, er hat fünf Werke in der Lombardei und in Ligurien. Am Ende hat sich die Stadt allerdings doch gegen den Stahlkonzern Arvedi und für ArcelorMittal und Marcegaglia entschieden. Beide Konzerne trauen sich zu, das Werk wieder in Ordnung zu bringen.

And the Winner ist…

Trotz der momentan nicht optimalen Lage von Ilva, ist und bleibt der Eigentümer optimistisch. Das Werk ist eine einmalige Gelegenheit. Der Wert des Werks wird nun nochmals steigen, da Stahlriese ArcelorMittal und das italienische Familienunternehmen Marcegaglia zugeschlagen haben. Beide Riesen habe einen Zuschlag erhalten, das Werk für 1,8 Milliarden Euro zu kaufen. Ein einmaliger Deal in den Augen des Eigentümers. Stahlriese ArcelorMittal und Industriegruppe Marcegaglia versprechen dem italienischen Staat das Stahlwerk wieder instand zu bringen.

ArcelorMittal hat sich in diesem “Kampf” gegen den indischen Stahlkonzern JSW Steel durchgesetzt und Widerstand gezeigt. Somit ergatterte ArcelorMittal Unterstützung von Rom. Über sieben Jahre und 2,4 Milliarden Euro später soll Ilva wieder in Schuss sein. Durch die Renovierung und Modernisierung sollen das Stahlwerk und der Umweltschutz zusammenrücken und einen umweltfreundlichen Stahlriesen erzeugen. Auch die 10.000 Mitarbeiter müssen keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben, da sie in ihrem gewohnten Umfeld weiter arbeiten dürfen.

Stahlüberproduktion? Noch nichts davon gehört!

Ilva hat sich Ziele gesetzt und möchte diese auch so schnell wie möglich umsetzen. Das Team glaubt an sich und die Zukunft. Der erste Gewinn soll 2018 messbar sein. Mit der umweltfreundlichen Produktion kann jetzt richtig durchgestartet werden – zumindest denkt sich das die Chefetage. Die Dreckschleuder erhöht die Produktion bis Ende 2023 von sechs auf 9,5 Millionen Tonnen im Jahr. Jetzt bleibt nur noch eine Frage: Wo soll der ganze Stahl hin? – Wir wissen es nicht. Die Stahlüberproduktion ist auch momentan ein akutes Problem bei vielen Konzernen.

Dreckige Luft und verseuchte Böden – die Gesundheit steht auf dem Spiel!

Die Bewohner aus Tarent tragen viel Sorge, darüber dass sich ihre Gesundheit durch das Werk mit den Jahren verschlechtert. Mindestens 400 Menschen sollen in Tarent an den schwerwiegenden Folgen von Ilva verstorben sein. Krebs, Herz-Kreislauf-Störungen oder auch Lungenkrankheiten sind keine Seltenheit mehr. Immer wieder kommt es zu Vorfällen. 2012 gab es sogar Unterstützung von der Justiz. Sie forderten die Schließung des Stahlriesen. Fazit ist, dass die Unternehmensleitung Hausarrest bekam und die ausländischen Konten eingefroren wurden. Mit der Zeit wuchs die Angst, dass es zu einer hohen Arbeitslosenquote kommen könnte – kurz danach, wurde das Werk wieder geöffnet.

ArcelorMittal und Marcegaglia – die Retter von Tarent?

Tarents Bewohner sind in der Hoffnung, dass sich durch den Wechsel der Besitzer, einiges ändern wird. Bürger agieren als Umweltaktivisten und sorgen sich um die Gesundheit ihrer Familien. Das Schwierige an der Sache ist, dass es eine Seite voller Gewerkschaften gibt und eine andere, die um ihren Arbeitsplatz fürchten. Wir sind gespannt auf weitere Neuigkeiten bezüglich des Stahlwerks Ilva – wir bleiben für Sie dran!

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