Das Spiel mit der künstlichen Intelligenz

Symbolbild künstliche Intelligenz

Es ist nicht gerade einfach, zu unterscheiden, wo die künstliche Intelligenz anfängt und wo sie aufhört. Ist unser Smartphone bereits die künstliche Intelligenz? Oder fängt die künstliche Intelligenz erst bei programmierten Robotern an?

Wer macht hier wen eigentlich smart? Der Nutzer das Handy oder das Handy den Nutzer? Was bedeutet denn überhaupt künstliche Intelligenz? Die KI-Experten haben zumindest eine Definition für diese Materie: Intelligent ist eine Software dann, wenn sie lernt, Probleme selbständig zu lösen – statt neue zu verursachen. Nun ja, und was ist mit der Autokorrektur?

Der Markt der Zukunft mit KI

Dass Forscher nach der künstlichen Intelligenz suchen, ist nichts neues, allerdings ist diese Suche nicht mehr so ziellos, wie vor ein paar Jahren. Das liegt ganz besonders daran, dass die Probleme der Menschen immer komplexer und anspruchsvoller werden – ohne technische Hilfe können diese Probleme dann nicht behoben werden.

KI kann bei der Lösung globaler Probleme helfen. Und sie kann außerdem Produkte und Dienstleistungen verbessern – und wird deshalb von Wirtschaftsexperten ganz besonders gehandelt. Die Marktforscher von PwC fanden heraus, dass bis zum Jahr 2030 der KI-Sektor 12,5 Billionen Euro zur Weltwirtschaft beitragen wird. Das wären 14 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. 7,4 Billionen Euro gingen dabei auf das Konto der Verbraucher. 5,4 Billionen Euro sollen aus Produktivitätssteigerungen stammen. Natürlich stellt sich auch die Frage, ob KI zu Gunsten der Kunden und Kollegen eingesetzt wird. Oder nur, um möglichst viele Mitarbeiter einzusparen. Noch zögern allerdings deutsche Manager, KI in ihren Betrieben einzusetzen.

Eine Studie von Sopra Steria befragte 200 Führungskräfte, Geschäftsführer und Vorstände mittelständischer Firmen. Die Ergebnisse zeigen kIare Zurückhaltung: 48 Prozent fürchten, dass eine unausgereifte Technologie zu Problemen führen könnte. Nur knapp die Hälfte wollen ihre Geschäfte so umstrukturieren, dass KI zum Einsatz kommt. Erst einmal in “unkritischen Bereichen” wie im Kundenservice, IT-Support und bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen.

Data-Lab für künstliche Intelligenz

Volkswagen betreibt in München mit dem Data-Lab eine Forschungseinrichtung für künstliche Intelligenz – unter Machine-Learning versteht man also mehr als nur das autonome Fahren. Das Bürogebäude erinnert eher an Wolfsburg als ans Valley. Es liegt unspektakulär an einer Ausfallstraße im Norden von München. Immerhin: in Laufweite liegen die deutschen Zentralen von Microsoft und Amazon, daneben sitzen MAN und Osram. Und in der Tat trifft auch in dem eher unscheinbaren Bürogebäude mit dem Volkswagen-Data-Lab die alte Industrie auf die neue digitale Wirtschaft.

Wer bei KI und Volkswagen zuerst einmal an selbstfahrende Autos denkt, wird im Data-Lab enttäuscht.

“Es geht im Data-Lab vornehmlich um künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen im Zusammenhang mit Unternehmensprozessen und Produktionsverfahren”, erklärt Barbara Sichler, Head of Project Development.

So werde im Data-Lab unter anderem Grundlagenforschung in Bezug auf Machine-Learning betrieben und auch das komplexe Feld des Einsatzes von Quantencomputern sei ein wichtiger Forschungsbereich.

Deep Learning und Advanced Analytics

Besser erklären, warum künstliche Intelligenz einerseits auf Befürchtungen bei Mitarbeitern und auf große Hoffnungen bei Firmenlenkern trifft, kann Prof. Patrick van der Smagt. Der aus den Niederlanden stammende Leiter der KI-Forschung bei Volkswagen war Professor für biometrische Robotik und maschinelles Lernen an der TU München, bevor er 2016 als Direktor für KI-Forschung zum Volkswagen-Konzern kam und sich gegen die Hochschulkarriere entschied.

“Das Problem an künstlicher Intelligenz ist, dass jeder darunter etwas anderes versteht”, fasst van der Smagt zusammen.

Ziel sei es, bei Unternehmensentscheidungen auf der Basis datengetriebener Verfahren und mit Hilfe der Stochastik die optimale Entscheidung zu treffen. Die Gebiete, auf denen das Data-Lab forsche, reichen von Advanced-Language-Analysis, also dem Erkennen von Stimmungen in gesprochenen Dialogen über Deep Learning bis hin zu Advanced Analytics.

Die Millionen-Aufgabe

Prof. Dr. Patrick van der Smagt forscht für Volkswagen an KI-Anwendungen. Dem Konzern könnte er damit heute schon Millionen einsparen. Mitarbeiter sollen dadurch nicht überflüssig werden, sich dafür aber auf Themen und Aufgaben konzentrieren können, die geistig herausfordernder sind als viele Standardaufgaben, für die heute viel Zeit aufgewendet wird. Ein erstes Projekt, das dem Volkswagen-Konzern in Zukunft viele Millionen Euro einsparen könnte, betrifft beispielsweise die Preisfindung bei Ersatzteilen.

“Es gibt im Konzern rund eine halbe Million Bauteile, für die in jedem der über 150 Märkte ein geeigneter Preis gefunden werden muss”, erklärt van der Smagt. “In der Vergangenheit eine Sisyphusarbeit, die von vielen Mitarbeitern mit unendlich langen Excel-Listen und einer Vielzahl von Tools gemacht werden musste.” In Zukunft könne die Arbeit der Computer erledigen.

Dass angesichts solcher Veränderungen der Betriebsrat, der bekanntermaßen gerade in Großunternehmen der Automobilwirtschaft über reichlich Einfluss verfügt, von Anfang an mit ins Boot muss, ist klar.

“Wir haben der Arbeitnehmermitbestimmung bereits sehr früh Einblicke in das neue Labor und die Projekte hier gewährt, weil wir zeigen wollen, dass die Lösungen, die hier gefunden werden, dem Menschen dienen und ihn eben gerade nicht überflüssig machen”, berichtet Dr. Martin Hofmann, IT-Chef des Volkswagen-Konzerns.

Doch gerade Projekte wie die bereits genannte Pricing-Automation zeigen, wohin die Reise geht: weg von lästiger, wenig kreativer Arbeit hin zu den Aufgaben, die aufgrund ihrer Beschaffenheit und Komplexität eben dann doch nur vom Menschen erledigt werden können. Und doch kann van der Smagt all jene beruhigen, die die Befürchtung haben, dass in Zukunft nur noch Computer unsere Arbeit verrichten werden.

“Von der Leistungsfähigkeit eines menschlichen Gehirns sind wir noch Lichtjahre entfernt. Was Computer aber leisten können, ist eine Entlastung des Menschen bei stupiden Tätigkeiten, bei denen der Mensch nach stundenlanger gleicher Arbeit mehr Fehler macht als die Technik.”

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