Brexit – Auch eine Herausforderung für die Stahlindustrie?

Brexit sorgt für Hindernisse in der Stahlindustrie

eitdem Großbritannien aus der EU ausgetreten ist, sind die mittelständischen Unternehmen verunsichert. Es kann zwar keiner voraussehen, wie sich die weiteren Verhandlungen über den Brexit entwickeln, aber dennoch müssen Unternehmen ein Auge auf die Folgen dieses Austritts haben.

Im Moment kann Ware zollfrei eingeliefert sowie ausgeliefert werden. Gleichzeitig entfällt die Einfuhrumsatzsteuer für Waren aus dem Vereinigten Königreich – all das dürfte mit einem sogenannten “harten Brexit” enden.

Brexit lässt Produktionskosten steigen

Im Bereich Handel und E-Commerce ist Großbritanniens Markt einer der größten und wichtigsten für den deutschen Mittelstand. Durch die hohen Zölle und Steuern wird der allgemeine Warenaustausch immer teurer und die Lieferzeiten länger, weil es höchstwahrscheinlich eine verzögerte Zollabfertigung gibt. Eine konkrete Lösung gibt es nicht, allerdings ist es vorstellbar, dass sobald Großbritannien den Binnenmarkt verlässt, es die Lieferbedingungen überprüfen und demnach die Lieferzeit zum Kunden anpassen muss. Gleichzeitig muss ein sogenannter Puffer eingebaut werden. In diesem Puffer müssen alle Umsatzeinbußen einkalkulieren.

Durch die erhöhten Zölle und Steuern, steigen die Produktionskosten in Großbritannien enorm. Hier ist es egal, ob die Unternehmen verbunden oder auch nur lediglich Partner sind. Der Brexit macht eben auch keine Ausnahmen für Konzerne. Es sind aber nicht nur die steigenden Produktionskosten, sondern auch die Zugangsregeln für den Markt in der Heimat. Durch diese Regeln ist das Unternehmen gezwungen, britische Produktgruppen zu entwickeln, weil es sonst keine Chance gibt, das Zulassungsverfahren zu bestehen. Da Steuern, Zölle oder sonstige Einfuhr- und Zulassungsverfahren nicht zu beeinflussen sind, bleibt die Möglichkeit, sich um neue Zielmärkte zu kümmern und somit die Kostensteigerung auszugleichen.

Brexit verändert Datenschutz und Rechtslage

Durch den Brexit sind die Briten nicht mehr in der Pflicht sich an europäische Rechte zu halten. Nun ist die Gefahr groß, dass sich die generelle Rechtslage beider Seiten auseinanderlebt. Durch diese Situation haben es die europäischen Unternehmen schwer, die Rechtsposition umzusetzen. Hier besteht die Möglichkeit, die vertraglichen Vereinbarungen der britischen Firmen zu überprüfen und vielleicht das deutsche Recht zu vereinbaren.

Einer der wichtigsten Themen des Brexits ist der Datenschutz und die Cloud. Durch den Brexit gelten einheitliche Regeln für den Datentransfer der EU – außer für Großbritannien. Daten, die sich auf eine Person beziehen, dürfen nun nur noch über ein Drittland vermittelt werden, allerdings nur wenn ein hohes Datenschutzniveau besteht. Der Datenschutz bezieht sich aber nicht nur auf Personen, sondern auch auf die Cloud-Dienste, die die Daten in Großbritannien speichern. Das Ganze kann bedeuten, dass Unternehmen keine personenbezogenen Daten mehr in Großbritannien abspeichern dürfen. Unternehmen sind also in der Pflicht, schnell zu improvisieren. Das Abspeichern von Daten auf Unternehmensrechnern oder in Rechenzentren ist demnach komplett untersagt.

Sollte aus einem EU-Mitglied ein Drittland werden, dann müsste sich das Land automatisch in einem ERP-System anpassen. Der ERP-Anbieter Proalpha möchte mit einer neu entwickelten Software im Jahr 2018 an den Markt gehen. In dieser Software ist es möglich, dass die Länder einer Gebietszugehörigkeit zugewiesen werden. So kann man Ländern dann den Begriff “Drittland” geben.

Hindernisse für die Stahlindustrie

“Wir sind höchst besorgt über die negativen Auswirkungen, die das haben wird”, sagte Kosei Shindo, Chef des Stahlkonzerns Nippon Steel & Sumitomo Metal.

Die Auswirkungen des Brexits beziehen sich auch auf die Stahlindustrie sowie auf bestimmte Bereiche der Wertschöpfungsketten und der Gesamtwirtschaft. Da der britische Stahlmarkt abhängig von dem Europäischen Stahlmarkt ist, stellt uns das vor eine große Herausforderung. Schätzungsweise 71 Prozent der Flachstahlexporte gingen 2015 in EU-Länder, bei den Langstahlexporten waren es 65 Prozent. Durch die verhängten Zollgebühren wird somit weniger in- und exportiert. Das macht es für die momentane Stahlkrise nicht gerade einfach. Der Stahlmarkt muss also in nächster Zeit mit enormen Einbußen rechnen.

Der Austritt verändert also mehr als der ein oder andere denkt. Die Unternehmen werden es in der nächsten Zeit nicht einfach haben, sondern müssen den Brexit weiterhin verfolgen bis eine innerbetriebliche Strategie besteht.

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